Worauf sollte geachtet werden, wenn die Fütterung von Barf/Kochen in Erwägung gezogen wird?

 

Barf/Kochen – der heilige Gral der Tierernährung?

Barf wird sehr oft, wenn nicht sogar meistens, als die Fütterungsmethode bezeichnet. Meiner Meinung nach ist sie das nicht. Barf/Kochen hat viele positive Aspekte. So kommt Barf/Kochen einer natürlicheren Ernährung am nächsten und kann Krankheiten vorbeugen, lindern oder sogar heilen. Dies kann  mit Fertigfutter allerdings ebenso geschafft werden.

Barf oder Kochen – beides wird sehr oft synonym verwendet – ist nur so gut, wie der Anwender und Planersteller. Beim Barfen/Kochen wird sehr oft nicht auf das Tier oder den Halter bzw. die Halterin eingegangen . Vielmehr wird diese Ernährungsform „aufgeschwatzt“, ungeachtet dessen, ob der Halter bzw. die Halterin sich überhaupt damit wohlfühlt, und ob Barf/Kochen überhaupt eine für das Tier geeignete Ernährung darstellt. Es wird förmlich ein schlechtes Gewissen eingeimpft, wenn Halter bzw. Halterin lieber ein Fertigprodukt füttert.
Das „Aufschwatzen“ von Barf/Kochen kann auf lange Sicht dazu führen, dass der Futtergeber/die Futtergeberin sich unwohl und womöglich überfordert mit der Fütterung fühlt. Es kann schnell zu Fehlern aufgrund mangelnden Wissens kommen, was wiederum Krankheiten oder Ernährungsdefizite beim Tier nach sich ziehen kann. Nachfolgend ein paar Dinge, die beachtet werden sollten, wenn das Füttern einer selbstzusammengestellten Ration angedacht ist und einige Überlegungen, die gemacht werden sollten, bevor diese Fütterungsmethode in Erwägung gezogen wird.

Grundverständnis

Es gibt sehr viele Gründe, weswegen Barf und/oder Kochen nicht für Jeden als Fütterungsmethode geeignet ist. Gerade habe ich schon einmal das mangelnde Wissen angesprochen. Mir persönlich ist es wichtig, dass meine Kunden verstehen, was ich aus welchem Grund für Ihr Tier empfehle. Wieso muss auf den Fettgehalt des Fleisches geachtet werden? Warum muss Öl ins Futter? Weswegen müssen/können Nahrungsergänzungen angewendet werden? Kann ich die Nahrungsergänzungen zum kochenenden Fleisch tun oder Rohes mit Gegarten kombinieren? Es ist wichtig, zu verstehen, wieso eine Ration so aufgebaut ist, wie sie aufgebaut ist.
Ebenso sollte nicht vernachlässigt werden, die Ration mit all seinen Nährwerten in reinen Zahlen zu betrachten, um den allgemeinen Bedarf nicht aus den Augen zu verlieren. Grundwissen alleine darüber, weswegen nun die einzelnen Komponenten gefüttert werden, reicht nicht aus. Es ist enorm wichtig, auch die einzelnen Nährstoffe im Blick zu haben, zu wissen, ob die Ration das richtige Ca/P-Verhältnis hat, ob genügend oder nicht sogar zu viel Jod in der Ration enthalten ist, und wie es um die anderen Nährstoffe steht. Nur wenn das berücksichtigt wird, ist es möglich, die Ration vernünftig zu erstellen.

Zutaten und Lebensmittel Lagern, zeitlicher Aufwand

Die Lagerverfügbarkeit sollte stimmen. Vor allem der Kühltruhe wird viel abverlangt und umso größer das Tier ist, desto mehr Zutaten müssen angeschafft werden. Außerdem werden entsprechende Behältnisse benötigt, um Rationen bereitstellen zu können oder Zutaten umzupotten. Außerdem muss entsprechend Zeit da sein, um alles vernünftig vorbereiten zu können. Wird die Kochvariante vorgezogen, dauert die Vorbereitung sogar noch etwas länger.

Kosten

Abgesehen von den selten anfallenden Kosten für Utensilien, die unerlässlich sind für die Barf- und Kochzubereitung (z. B. Waage, Behältnisse, Küchenwerkzeuge), fallen Kosten für Fleisch, Obst, Gemüse, Nahrungsergänzungen usw. regelmäßig an. Oft wird gesagt, dass sich ein (hochwertiges) Fertigfutter und eine selbst zubereitete Mahlzeit nichts im Preis tun, doch das stimmt so nicht. Es kommt auch hier wieder darauf an, welche Zutaten für die Ration gewählt wurden und welche Mengen benötigt werden. Fertigfutter kann so entweder gleich teuer im Vergleich zum Barfen und Kochen sein, teurer oder sogar günstiger. Hier sollte also vorab eine fiktive Monatsausrechnung gemacht werden, um einen Überblick über die Mengen, die angeschafft werden müssen, und die entstehenden Kosten zu bekommen.

Für jedes Tier geeignet?

Es sollte beachtet werden, dass Barf/Kochen nicht für jedes Tier geeignet ist. Ein krankes Tier benötigt ggf. einen anderen Barf-/Kochplan (Diät) als ein gesundes, und manchmal ist Barf/Kochen bei verschiedenen Problematiken nicht (mehr) empfehlenswert. Einem Seniortier, welches regelmäßige, wenn nicht sogar dauerhafte, Schwierigkeiten mit dem Verdauungssystem hat und frisches Futter (egal ob roh oder gekocht) schlichtweg nicht gewohnt ist, kann eine Umstellung unter Umständen mehr schaden als nutzen. Auch Welpen und Kitten haben andere Ansprüche an ihr Futter, als ein erwachsenes Tier. Deswegen müssen, sollte die Umstellung bzw. die direkte Fütterung mit Barf/Kochen angedacht werden, die individuellen Ansprüche an die Ration berücksichtigt werden.
Manch Tierhalter vertritt die Ansicht, Barf/Kochen könnte bei Erkrankungen des Tieres sofortige Abhilfe schaffen. Das kann so sein, muss aber nicht. Als Beispiel kann man Fellproblematiken heranziehen, bei denen nach Umstellung eine deutliche Veränderung erst nach etwa ein bis zwei Monaten sichtbar sein kann.
All diese Aspekte müssen individuell betrachtet werden und hier sollte man, vor allem als Laie, eine Fachperson kontaktieren und abklären lassen, ob der Hund oder die Katze überhaupt für die Barf- oder Kochfütterung geeignet ist und ob sich die Rohfütterung anbietet oder lieber die Kochvariante vorgezogen werden sollte.

Zusammengefasst

  • Ein Grundverständnis für diese Fütterungsmethode sollte und muss vorhanden sein.
  • Lager- und Kühlkapazitäten müssen vorhanden sein, ebenso wie entsprechendes Zubehör (Gefäße, Utensilien, Waage).
  • Es muss regelmäßig Zeit aufgewendet werden, um die Ration bereitzustellen und für die Fütterung vorzubereiten (z. B. aus der Truhe holen).
  • Die Kosten sollten berücksichtigt werden.
  • Diese Fütterungsart ist nicht für jedes Tier geeignet.
  • Man sollte sich wohlfühlen bei der Fütterung.
  • Es sollte beachtet werden, dass der Futterplan ggf. regelmäßig angepasst werden sollte/muss.

Meine Bitte an dich: wenn du dich mit der Barf/Koch-Fütterungsmethode unwohl fühlst, dann lass es. Es ist vollkommen in Ordnung, wenn du Fertigfutter fütterst. Es gibt mittlerweile sehr viele, gute Fertigfuttersorten, die bedenkenlos gefüttert werden können, und bei denen du kein schlechtes Gewissen haben brauchst.
Solltest du dir unsicher sein, ob Barf/Kochen als Fütterungsmethode überhaupt etwas für dich und dein Tier ist, dann setz dich einfach mal mit einer Fachperson in Verbindung. Es besteht die Möglichkeit, dass du dich langsam ans Barf/Kochen herantastest oder allgemein frische Zutaten in die Fütterung integrierst. Eine Umstellung muss also nicht abrupt oder gänzlich erfolgen.

 

 


Quellen: Foto: tomwieden von pixabay