Von Leinen-Leugnern und Sozialkontakt-Fanatikern

 

Der besseren Lesbarkeit halber verwende ich in diesem Artikel in den meisten Fällen die männliche Form. Angesprochen sind natürlich gleichermaßen Hunde- und Katzenhalter jeden Geschlechts sowie alle Interessierten.

An dieser Stelle möchte ich auch auf meine doch deutlichen Äußerungen und den zum Teil ruppigen Ton im Artikel hinweisen! 

 

 

 Vorab definiere ich einmal den Begriff „asozial“:

aso·zi·al

Adjektiv

  1.  
    unfähig zum Leben in der Gemeinschaft, sich nicht in die Gemeinschaft einfügend; am Rand der Gesellschaft lebend
    „ein asozialer Charakter“
    m

Was wäre für mich  „gemeinschaftseinfügendes“ Verhalten? Und wie komme ich überhaupt auf dieses Thema?

Mit meiner aktuell 17 Monat alten Havapoo Hündin bin ich mehrmals am Tag draußen unterwegs. Unsere Spaziergänge führen durch Parks, Seitenstraßen, Gärten, Plätze und Wälder. Außer auf den Waldwegen, herrscht hier Leinenpflicht und alleine schon durch das Verletzungsrisiko (Hund läuft einfach über die Straße), würde ein verantwortungsbewusster Halter (!) sein Tier an die Leine nehmen. Punkt.

Nun laufen hier tatsächlich die meisten Hunde mittlerweile ohne Leine herum. Das war nicht immer so. Scheinbar ist dies ein Trend, und das unabhängig davon, ob der Hund hört oder nicht, und hier ist der springende Punkt. Auch Hunde die nicht abrufbar sind, laufen im Großteil von Krefeld unangeleint herum und das führt zu solchen Situationen: beim Spaziergang rennen viele Hunde wie von der Tarantel gestochen auf meine Hündin zu und das von „freudig“ erregt bis knurrend und kläffend.

Es ist wirklich die Ausnahme (!), dass Leute von Weitem fragen, ob der Kontakt gewünscht ist.

Meine Hündin ist von dieser schnellen und zielgerichteten Kontaktaufnahme nicht sonderlich erfreut, will entsprechend schnell das Weite suchen und fühlt sich in der Umgebung bzw. der Situation dann sichtlich unwohl. Wenn ich mich zu diesem Zeitpunkt im Training befand oder wir ggf. sogar mit einem anderen Hund Kontakt hatten, ist dies keine förderliche Situation, um positive Verknüpfungen zu schaffen.

Leider ist das tatsächlich meistens der Fall, nicht ab und zu, sondern meistens und deswegen bin ich mittlerweile wirklich sehr angenervt von diesem ignoranten Verhalten, das manche Hundehalter an den Tag legen.

Meine bisher unternommenen Schritte gegen so ein Verhalten: 

  1. Freundlich auf die Sachlage hingewiesen.
    • Können Sie bitte ihren Hund zurückrufen?
      • ggf. werden Gründe genannt (wenn Zeit dafür bleibt) z. B. befinde mich beim Training
    • Das Gespräch gesucht und die meisten Antworten sind:
      • „Der Hund braucht Sozialkontakte.“
        • Das lasse ich jetzt einfach mal so stehen – zu diesem Thema möchte ich gerne einen gesonderten Artikel schreiben. Es ist äußerst anmaßend, dass sich fremde Personen das Recht herausnehmen zu beurteilen, ob mein Hund Sozialkontakte benötigt. Tatsächlich lässt diese Aussage sogar darauf schließen, dass sich der Halter mit dem „Lebewesen“ Hund, bis dato nicht ausreichend beschäftigt hat, sonst würde so eine Aussage gar nicht gemacht werden.
      • „Also mich (meinen Hunden) stört der Freilauf nicht/wir haben kein Problem damit.“
        • Das ist wahrscheinlich das Kernproblem. Wenn das eigene Tier mit einer unaufgeforderten und ggf. sogar überrumpelnden „Kontaktaufnahme“ kein Problem hat, dann stört diese auch nicht im generellen.
    • Meine Person wird denunziert, wenn ich darauf hinweise, dass keine Kontaktaufnahme gewünscht ist. Ein Beispiel:

Als ich mich mit Joséphine mal beim Training befand, kam auch so eine “der Hund braucht Sozialkontakte”-Halterin auf mich zu. Ich erklärte ihr, dass ich mich gerade in einer Trainingseinheit mit meinem Hund befinde und daher bitte nicht gestört werden wollte. Die Frau stellte mich, als angehende Hundeverhaltensberaterin, in Frage und meinte klar zu mir, dass ich ja keine Ahnung hätte. Ich ließ mich auf keine Diskussion ein und ging.

  1. Gelbe Schleife und gelbes Tuch am Hund bzw. der Leine angebracht.
    • Fazit: wird ausnahmslos ignoriert, auch wenn darauf hingewiesen wird.

Was spricht gegen das Anlegen einer Leine, zumindest bis geklärt wurde, ob der andere Hund den Kontakt wünscht?

  • Verhaltensauffälligkeiten an der Leine (z. B. Aggression)
  • nicht vorhandene Leinenführigkeit und daher für den Halter „anstrengend“ sein Hund an der Leine zu führen.
  • generell kein Interesse vom Halter, sich mit Hund und Leine zu beschäftigen

Was ich so schlimm an der Leine?

Wenn der Hund gelernt hat, vernünftig an der Leine zu laufen, dann ist die Leine kein Problem. Die Leine spannt nicht sondern hängt meistens durch und der Hund hat dennoch genügend Platz um sich zu bewegen. Leine heißt nicht, dass der Hund permanent “bei Fuß” laufen muss und seinen Kopf nicht nach links und rechts drehen darf.

 

Nun zu meiner Ausgangsfrage: Was wäre für mich „gemeinschaftseinfügendes“ Verhalten?

Antwort: Mehr Rücksicht auf andere Hundehalter und vor allem deren Hunde nehmen.

Es gibt eine Menge Gründe, weswegen ein „Überfall“ von einem anderen Hund nicht erwünscht sein kann:

  • Krankheit und Verletzung (!)
  • Das Tier ist alt (und gebrechlich)
  • Läufigkeit
  • Training
  • Das Tier kommt mit Artgenossen aus vielerlei Gründen nicht zurecht

So ein “Überfall” kann unter Umständen sehr, sehr viel Leid erzeugen, dessen sollte sich jeder bewusst sein und die Konsequenzen dafür tragen.

 

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf die Aktion „Gelbe Schleife“ hinweisen: https://www.gulahund.de/shop/

Auch wenn die Aktion nicht sonderlich bekannt ist und teilweise ignoriert wird, rüttelt sie eventuell den einen oder anderen wach.

 

In dem Sinne: Sozial miteinander anstatt asozial gegeneinander!

Passt auf euch auf.

 

 


Quelle Bild: congerdesign auf piyabay.com